Überleben als single-mann

Der späte Ruhm warf ein neues Licht auf Keilsons Karriere als Schriftsteller, wie ein Scheinwerfer, der plötzlich in die Vergangenheit gerichtet wird und in dessen hellem Lichtkreis alles anders aussieht: Keilson hatte seinen ersten Roman Das Leben geht weiter 1933 noch zur Zeit der Weimarer Republik veröffentlicht, während er in Berlin Medizin und Sport studierte. Auf diese Weise geriet der Roman, der im Stil der Neuen Sachlichkeit vom Bankrott eines Kleinunternehmers erzählt, trotz positiver Besprechungen schnell in Vergessenheit.

Es war das letzte Debüt eines jüdischen Autors, das der S. Keilson floh mit seiner ersten Frau Gertrud in die Niederlande, wo er auch nach Kriegsende blieb.

Keilson war 1944 fünfunddreißig Jahre alt, verheiratet, hatte eine kleine Tochter und eine deutlich jüngere jüdische Geliebte, Hanna Sanders, die ebenfalls in Delft untergetaucht war.

Im Jahr 1947 erschien als eines der letzten Bücher des Querido Exilverlags die Komödie in Moll, eine Novelle über einen Untertaucher, der im Versteck an einer Krankheit stirbt und damit das Ehepaar, das ihn versteckt hielt, in die schwierige Lage bringt, einen Toten aus dem Haus schaffen zu müssen, den es offiziell gar nicht gibt.

Ebenso wie Keilsons zweiter Roman, Der Tod des Widersachers (1959), fand die Novelle keine größere Leserschaft.

Keilson trat damit gewissermaßen ins Scheinwerferlicht des Literaturbetriebs und wurde als über Hundertjähriger plötzlich als deutscher Jahrhundertautor gefeiert, der das ganze zwanzigste Jahrhundert erlebt hatte.

Postum ist nun Hans Keilson Tagebuch 1944, herausgegeben von Keilsons Witwe Marita Keilson-Lauritz und mit einem Nachwort des Keilson-Kenners Heinrich Detering, erschienen.

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